Grenzerfahrungen in Zeiten von Corona. Herausforderungen und Hoffnungen für Singles, Paare und Familien

Beitrag von

Sandra Weiß – Online-Beraterin, Coachin & Supervisorin

Corona. Das seit einigen Wochen allumfassende Thema, das uns vor unbekannte, existenzielle Herausforderungen stellte. Wir sind noch immer verwundert, wie schnell unser „altes Leben“ völlig auf den Kopf gestellt wurde und ganz neue Abläufe und Regeln entstehen mussten. Uns stand die Welt jederzeit offen. Wir hatten die fast unbegrenzte freie Wahl, unser Leben zu gestalten, nahezu alle Wünsche im Handumdrehen zu erfüllen und völlig frei durch die Welt zu reisen. Und plötzlich ist alles anders – wir sind räumlich begrenzt. Begrenzt auf unseren absoluten Nahraum.

Zunächst war Corona ganz weit weg: In China, dann in Italien – und plötzlich ist es da. Es rückt näher. Wir kennen plötzlich Menschen, die betroffen sind – persönlich oder vom Hörensagen. Es entsteht die Sorge, dass Angehörige oder man selbst erkrankt. Besuche unserer Nächsten stellen von heute auf morgen eine Gefahr dar. Dabei ist es gerade in Krisenzeiten so wichtig, Rückhalt bei unseren Lieben zu erhalten und Berührungen und Nähe zu spüren. Denn auch in digitalen Zeiten kann eine Umarmung nicht durch eine E-Mail ersetzt werden.

Wir versuchen, weiter zu funktionieren und uns nicht verrückt machen zu lassen. Wir gehen unseren Alltagsaufgaben nach und gehen das Nötigste einkaufen. Wir betreuen unsere Kinder zu Hause, beschäftigen die Kleinen und arbeiten mit den Größeren den schulischen Lernstoff ab. Wir versuchen, sie darin liebevoll und einfühlsam zu begleiten und sie immer wieder daran zu erinnern, dass sie den Lernstoff kennen müssen – und nicht wir. Wir bemühen uns, unsere Arbeit im Homeoffice gut zu erledigen und all die Videokonferenzen konzentriert abzuarbeiten. Dabei arrangieren wir uns mit Partner und Kindern auf der Suche nach einem ruhigen Platz, sodass nicht das ganze Büro den vollen Blick hinter die Familienkulisse hat. Wir versuchen, uns nicht zu viele Sorgen um unsere Arbeitsplätze zu machen und die Fragen zu begrenzen, wie es wohl nach Corona weiter geht, da wir keine Antworten dafür erhalten. Wir achten darauf, nicht in einen Panikmodus zu verfallen und geben uns alle Mühe, die erzwungene permanente Nähe, die wir mit unseren Lieben haben, auszuhalten und bestehende oder aufkommende Konflikte nicht zu vertiefen. Wir vermeiden, jede Meinungsverschiedenheit mit dem Partner vor den Kindern auszutragen und nicht darüber zu reden, dass wir uns vielleicht nichts mehr zu sagen haben.

Doch wir merken, dass wir an unsere Grenzen kommen, dass ab und an Sorgen und Ängste durchschlagen und all die intensiven Gefühle nicht mehr so leicht weggeschoben werden können. Manchmal übersteigt vielleicht der Wunsch nach einer gelassenen Konstruktivität das Können und die Luft wird eng.

Menschen erleben unbekannte Situationen oftmals als besondere Herausforderung, die mit Stress und dadurch entstehenden Konflikten verbunden sind – mit sich selbst aber auch mit anderen. Dies ist zunächst nicht ungewöhnlich, da es noch keine Routinen, Handlungsmuster und Schablonen gibt, die in dieser neuen Situation greifen. Auch können wir nicht sicher sein, ob und inwiefern unser Leben nach dem Kontaktverbot anders sein wird und welche Konsequenzen damit verbunden sind. Krisen wie diese sind also keine Krankheiten, sondern entstehen genau  dadurch, dass wir Menschen im Moment äußeren Belastungen ausgesetzt sind, die wir selbst nicht beeinflussen können. Manchen Menschen gelingt es gut, in diesen Zeiten wirksame Handlungsstrategien zu finden. Sie können sich beispielsweise offen und vertrauensvoll mit dem Partner, Familienmitgliedern oder Freunden über die Empfindungen austauschen, sodass dieses Erleben geteilt und dadurch Verständnis und gegenseitige Unterstützung entstehen können. Wenn jemand allerdings sehr ängstlich oder angespannt ist, kann es leicht passieren, dass die eigenen Gefühle auf das Gegenüber projiziert werden, meist den Partner oder die Kinder, sodass vermehrt Konflikte und Auseinandersetzungen entstehen. Diese können sich sich an einer Kleinigkeit entflammen und dienen im Grunde als Hilfe, sich Luft zu verschaffen. Damit gehen Menschen allerdings nicht an die wahre Ursache heran, nämlich dem Gefühl, der von außen vorgegebenen Situation ausgeliefert zu sein und ihr ohnmächtig gegenüber zu stehen. Diese Dynamik verläuft meist unbewusst und ist nicht leicht zu durchschauen, da man sicher ist, dass das Verhalten des Partners oder des Kindes die Ursache für das eigene Verhalten ist.

In dieser Krisenzeit ist es also hilfreich, sich selbst in seinen Empfindungen und seinem Verhalten zu reflektieren und zudem zu überlegen, was einen durch bisherige Krisen tragen konnte und was Halt gibt. Diese 5 Tipps können Ihnen hierbei eine Hilfestellung sein:

  • Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst und reflektieren Sie sich: Was empfinde ich? Welche Gedanken beschäftigen mich, was plagt mich? Wo stehe ich und wie fühle ich mich mit mir und meinen Nächsten?
  • Überdenken Sie Ihre eigenen Kommunikationsmuster: Wie kommuniziere ich: Ruhig und verständnisvoll oder aggressiv und vorwurfsvoll? Was sind in Konflikten meine Anteile und welche die des Gegenübers?
  • Suchen Sie aktiv Phasen der Entspannung und gehen Sie angenehmen Beschäftigungen nach, z.B. der Bewegung oder Musik, dem Lesen, Spielen oder Handwerken.
  • Suchen Sie Telefon- oder Video-Gespräche mit nahestehenden Personen, Familien oder Freunden.
  • Halten Sie Ihre Tagesstruktur weitgehend aufrecht.

 

Manche Schwierigkeiten können also im direkten Zusammenhang mit der derzeitig veränderten angespannten Lebenssituation gesehen werden und durch einen achtsamen Umgang mit sich und den anderen gut eingedämmt werden. Erinnern Sie sich daran, dass diese Zeit vorüber gehen wird und sich die Gesamtsituation entspannen wird.

Wenn Sie allerdings merken, dass diese Maßnahmen im Moment nicht ausreichend sind, kann die Erarbeitung eines ganz konkreten „Krisenplans“ hilfreich sein – bspw. mit einer begleitenden Online-Einzel-, Paar- oder Familienberatung, in der wir ganz konkrete Maßnahmen für die aktuelle Zeit erarbeiten.

Doch manche Konflikte mit dem Partner oder der Familie waren vielleicht auch schon vor Corona da. Krisen können beschleunigt und sehr deutlich Prozesse offenlegen, die wir bislang nicht wahrgenommen haben oder vielleicht auch nicht sehen wollten: Dass es Unstimmigkeiten in der Familie oder andere Lebensentwürfe auf der Paarebene gibt, die aber dadurch, dass jeder seinem Alltag nachgehen konnte und man nur wenige Stunden miteinander verbracht hat, besser verdeckt werden konnten. Oder aber es werden Aspekte – auch außerhalb der Partnerschaft oder Familie – deutlich, mit denen es einem Menschen nicht gut geht und wo eine Veränderung lohnenswert ist – vielleicht ist schon klar, wohin der Weg gehen soll, vielleicht aber auch noch nicht.

Corona bietet uns allen die Chance, genau hinzuschauen, was in unserem Leben vor sich geht, was bleiben darf und was sich verändern muss. Wir haben die Chance, uns aus dieser Situation heraus weiter zu entwickeln und zu reifen. Wenn Sie grundsätzliche Themen in Ihrem Leben klären oder bearbeiten möchten, eignet sich eine auf mehrere Termine angelegte Systemische Einzel-, Paar- oder Familientherapie: Gemeinsam analysieren wir Ihre gegenwärtige Situation und entwickeln Lösungen, die nachhaltig positive Veränderungen in Ihrem Leben schaffen können.

Es kann hier durchaus Sinn machen, diese Unterstützung erst nach der Zeit der Quarantäne zu nutzen, wenn sich die äußeren Rahmenbedingungen wieder stabilisiert haben. In dem Falle kann das Eintreten in einen vorübergehenden Überlebensmodus mit dem bereits angedeuteten Krisenplan ratsam sein. Der Vorteil hierbei ist, dass nicht alles auf einmal in den Umbruch gerät und man diese aktuelle Zeit für sich, das Sondieren und die Vorbereitung für den nächsten Schritt nutzen kann.

Unabhängig in welcher Phase Sie sich nun befinden: Wenn Sie merken, Sie möchten Unterstützung in Form einer Einzel-, Paar- oder Familientherapie wahrnehmen – jetzt oder vielleicht auch erst intensiver nach der Krise: Melden Sie sich gerne jederzeit bei mir, wir können im Miteinander erarbeiten, welche Strategie für Sie akut, mittel- und langfristig die Wirksamste ist: Auf Vollgas mit der Themenbearbeitung voran oder erst einmal in den Überlebensmodus gehen.

Sicher ist: Wir werden nach Corona in einen neuen Lebensabschnitt treten, der für Sie glücklich, authentisch und zufriedenstellend sein soll. Sie haben es selbst in der Hand, aktiv darauf hinzuarbeiten und Ihr Leben in die von Ihnen gewünschte Richtung zu steuern.

Ich freue mich, wenn ich Ihnen in dieser Zeit eine Wegbegleiterin sein darf. Melden Sie sich gerne bei mir – über Ihre Kontaktanfrage oder das Buchen eines Termins unter meiner Website  https://sandraweiss.de

Bis dahin: Bleiben Sie gesund und passen Sie gut auf sich auf!

Ihre

Sandra Weiß

 

 

 

Ich helfe Ihnen dabei, Ihre Ziele im Auge zu behalten und wieder optimistisch in die Zukunft zu blicken...